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Tauchmedizin

Walhai Delphin Delphin Napoleon


Verschiedene tauchsportspezifische Besonderheiten, wie z.B. der erhöhte Umgebungsdruck, können im täglichen Leben eher unbekannte Erkrankungen und Probleme hervorrufen (z.B. Barotraumata, Lungenpneumothorax, Caisson-Krankenheit). Gleichzeitig können bestimmte Krankheiten eine Teilnahme am Tauchsport ausschließen. Daher sollte man seine eigene Gesundheit regelmäßig überprüfen lassen. Ein Facharzt sollte die individuellen Risiken bei bestimmten Erkrankungen einschätzen können. Ein paar Anhaltspunkte erhalten Sie an dieser Stelle. Wie sich verschiedene Taucherkrankheiten äußern und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen, sollte jeder Taucher und jede Taucherin wissen. Grundlagen hierzu finden Sie auf diesen Seiten.


Tauchtauglichkeit

Der Tauchsport stellt physische und psychische Anforderungen an die Ausübenden. Demgemäß gibt es einige Erkrankungen, die den Ausschluss vom Tauchsport oder zumindest Einschränkungen zur Folge haben. In Zusammenarbeit mit den einschlägigen Tauchsportverbänden sind von der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. Richtlinien für die Tauchtauglichkeitsuntersuchung erlassen worden. Ein für die Unterschung vorgesehenes Formular kann im Internet heruntergeladen werden. Die Untersuchung kann von jedem Allgemeinmediziner oder Taucharzt durchgeführt werden. Eine rechtliche Verpflichtung zu dieser Untersuchung gibt es nicht. Allerdings ist sie aus haftungs- und versicherungstechnischen Gründen jedem anzuraten.
Obwohl alle Tauchbasen dazu angehalten sind, das Vorhandensein einer Tauchtauglichkeitsbescheinigung bei jedem Taucher zu überprüfen, zeigt die Praxis, dass wirtschaftliche Interessen oftmals vorgehen. Es ist also nicht sehr schwer im weltweiten Tauchbusiness ohne Tauchtauglichkeitsbescheinigung Pressluft zu schnuppern. PADI hat hier einen etwas anderen Weg eingeschlagen. Mit Tauchbeginn füllt der Taucher ein sog. Medical Statement aus. Dieser Doppelseitige Bogen enthält etliche Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand und soll die Teilnahme am Tauchsport bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Diabetes, Asthma, Bandscheibenvorfall usw.) schon im Vorfeld ausschliessen. Bis zum 40. Lebensjahr haben die Tauchtauglichkeitsbescheinigungen eine Gültigkeit von 2 Jahren. Ab dem 40. Lebensjahr soll man sich jährlich auf seine Tauchtauglichkeit untersuchen lassen.
Die Frage der Tauchtauglichkeit von Diabetikern wird in der Tauchmedizin kontrovers iskutiert. Gefährlich kann einem Diabetiker eine extreme Unterzuckerung werden, die über Krämpfe bis zur Ohnmacht führt. In einer solchen Situation besteht unmittelbare Ertrinkungsgefahr. Eine erforderliche Rettungsaktion kann auch die Tauchbegleiter in Gefahr bringen. Die Gefahr einer Unterzuckerung ist deshalb gegeben, da bestimmte Situationen zu Stress, Angst und Überanstrengung führen können. Stress und Angst bewirken über eine erhöhte Aktivierung/Erregung zunächst einen Anstieg des Blutzuckerspiegels, der aber direkt nach Ende der Stresssituation schnell abfällt. Dieser Abfall des Blutzuckerspiegels kann schon während des Tauchgangs auftreten. Daher müssen Diabetiker schon vor dem Tauchgang auf einen ausreichend hohen Blutzuckerspiegel achten, der auch nach einem stressbedingten Abfall nicht zu einer bedenklichen Unterzuckerung führen. Voraussetzung für eine Tauchtauglichkeit als Diabetiker ist u.a.:
Diabetes I: Es dürfen keine Gefäßveränderungen erkennbar sein, der Kandidat muss in der Lage sein, unter eigener Blutzuckerkontrolle seine Stoffwechsellage im Gleichgewicht zu halten, außerdem dürfen in den letzten Jahren keine hypoglykämischen Zustände (starke Unterzuckerung) aufgetreten sein.
Diabetes II: Es dürfen keine Mikroangiopathien erkennbar sein und der Kandidat muss diätetisch oder mit Medikamenten gut eingestellt sein. (vgl. EHM, O. F.: Tauchen noch sicherer. Cham 1996.)


Allgemeine Erkrankungen

Medikamente sind für viele Menschen ein regelmäßiger Begleiter. Dies gilt besonders auf Reisen in Länder bei denen man andere hygienische Situationen vorfindet oder deren Tierwelt eine bestimmte Prophylaxe empfehlenswert werden lässt. Leider ist nur für einen kleinen Teil der verfügba-ren Medikamente deren Wirkung unter erhöhtem Umgebungsdruck bekannt. So muss man grundsätzlich davon ausgehen, dass ein einzunehmendes Präparat beim Tauchen unerwünschte Wirkungen zeigen kann. Neben nicht sofort zu beobachtenden Nebenwirkungen kann auch das menschliche Verhalten während des Tauchgangs negativ beeinflusst werden. Eine Abnahme beispielsweise der Reaktions- oder Wahrnehmungsfähigkeit wären denkbare Begleiterscheinungen, die wie auch im Strassenverkehr beim Tauchen gewisse Risiken bergen. Auch ein früheres Einsetzen des Tiefenrausches wurde in einigen Fällen beobachtet. Insgesamt haben die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte aber eher gezeigt, dass die Auswirkungen des erhöhten Umgebungsdrucks auf Medikamente i.d.R. nicht gravierend sind. Im folgenden ein paar Beispiele:


Medikamente und Tauchen

Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen, Fortral, Codein und Diazepam (Valium) sowie magensäurebindende Mittel (Antacida) sind eher unbedenklich (gesichert, wenn letzte Einnahme nicht kürzer als 18h vor dem Tauchgang.

  • Magenmedikamente wie Riopan und Maaloxan sind unbedenklich. Auch sog. H2-Rezeptorenblocker, wie Cimetidin und Ranitidin, sind, wenn sie sonst nebenwirkungsfrei vertragen werden mit dem Tauchen vereinbar.
  • Medikamente gegen Bluthochdruck wie die Calciumantagonisten (Nifedipin, etc.), kleine Dosen von Betarezeptorblockern und in besonderen Fällen ACE-Hemmer können mit dem Tauchen vereinbar sein. Allerdings nur dann, wenn zur Blutdrucknormalisierung nicht mehrere Medikamente gleichzeitig nötig sind.
  • Insulin, Sulfonylharnstoff und Metformin zur Behandlung von Diabetes Typ II werden durch den erhöhten Umgebungsdruck beim Tauchen nicht wesentlich beeinflusst.

Vom Tauchen abzuraten ist bei der Einnahme folgender Präparate:
  • Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen, Narkose- und Suchtmittel, Antidepressiva und Weckmittel.
  • Alle Medikamente, die bei normaler Anwendung bereits Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem zeigen und Schwindel- oder Konzentrationsstörungen hervorrufen. Sie schließen für gewöhnlich eine Teilnahme am Straßenverkehr aus und sollten auch vom Tauchen ausschließen. Hierzu gehört u.a. auch der Malaria-Wirkstoff Mefloquin und alle Durchfallmittel mit dem Wirkstoff Loperamid. Letzteres sollte nur bis zu 6 Stunden vor einem Tauchgang eingenommen werden.
  • Auch Antihistaminika sind kontraindizierend, da sie mehr oder weniger ermüdende Nebenwirkungen aufweisen. Das gilt auch für Nasensprays.
  • Gerinnungshemmende Mittel (Antikoagulantien) erhöhen die Blutungsneigung und können bestimmte Symptome von Taucherkrankheiten verstärken. Sie sollten daher vor dem Tauchen nicht eingenommen werden.

Lesen Sie außerdem den Artikel zur Seekrankheit um die Wirkungsweise derartiger Präparate besser einschätzen zu können. (vgl. EHM, O.F., u.a.: Tauchen noch sicher. Cham 1996.)
Grundsätzlich sollte man mit dem Einsatz von Medikamenten beim Tauchen sehr sparsam umgehen. Ist eine Einnahme dennoch erforderlich, sollte ein möglichst großer zeitlicher Abstand zum Tauchgang eingehalten werden. Bei allen Präparaten sollten Sie schon im Vorfeld Erfahrungen hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen an Land gesammelt haben. Wird ein Medikament über einen längeren Zeitraum eingenommen, sollte vor dem Tauchurlaub die Tauchverträglichkeit beim behandelnden Arzt erfragt werden.


Druckausgleich

Das Tauchen kann einen ganz schön unter Druck setzen. Verursacht wird die Druckzunahme von 1 bar pro 10 Meter Wassertiefe durch die Wassersäule, die der Taucher auf seinen ‚Schultern' trägt. In 30 m Wassertiefe hat sich auf diese Weise der auf den Taucher wirkende Druck um den Faktor 4 im Vergleich zur Wasseroberfläche erhöht. In allen gasgefüllten Räumen im und am Taucher bleiben diese Veränderungen nicht wirkungslos. Der gestiegene Druck sorgt hier für eine Abnahme des Gasvolumens. Für die Tauchermaske bedeutet das, dass ihr Luftinhalt immer weiter zusammengedrückt wird. Um den Luftvolumenverlust auszugleichen, wird mit zunehmender Tiefe das Gesicht zusammen mit den Augen regelrecht in die Maske gesaugt. Wer in 20m Tiefe noch immer keinen Druckausgleich in der Maske vorgenommen hat, wird wohl mit ziemlich blauen Augen wieder auftauchen. Ödeme bilden sich dann nämlich um die Augen herum. Daher ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen beim Abtauchen durch die Nase in die Maske auszuatmen. Hierbei wird das geschrumpfte Luftvolumen wieder aufgefüllt. Weitaus häufiger sind Schwierigkeiten beim Druckausgleich im Mittelohr. Oftmals sind diese Probleme mit einer akuten Erkältung verknüpft. Für einen Druckausgleich muss nämlich die Eustachische Röhre (Ohrtube) geöffnet werden. Sie verbindet den Rachen mit dem Mittelohr. Im geöffneten Zustand kann über sie Luft aus dem Rachenraum in bzw. aus dem Mittelohr gelangen und einen Druckausgleich herbeiführen. Bei einer Erkältung kann aber die Eustachische Röhre soweit zugeeitert bzw. zugeschwollen sein, dass kein Druckausgleich mehr möglich ist. Viele Taucher wollen bei einer Erkältung verständlicher Weise nicht auf ihre kostbaren Tauchtage im Urlaub verzichten und versuchen trotzdem einen Abstieg. Dabei gehen sie aber ein großes Risiko ein. Während eines Tauchgangs aufgrund von Schwierigkeiten wiederholt zu spät durchgeführter Druckausgleich im Mittelohr kann zum weiteren Anschwellen der Schleimhäute und Gefäße im Mittelohr und in der Eustachischen Röhre führen. Dadurch kann einerseits ein weiteres Abtauchen verhindert werden, andererseits kann sogar das Auftauchen zum Problem werden. Lässt sich die Ohrtube aufgrund der Reizung während des Tauchgangs plötzlich gar nicht mehr öffnen, kann die beim Auftauchen überschüssige Luft auch nicht mehr aus dem Mittelohr entweichen. Dadurch beult sich das Trommelfell schmerzhaft nach außen und wird schließlich reißen. Denn irgendwann müssen wir ja mal auftauchen. Die Gefahr einer solchen Umkehrblockierung ist besonders dann gegeben, wenn vor dem Tauchgang abschwellende Nasensprays benutzt wurden. Lässt deren Wirkung während des Tauchgangs nach ist eine Blockierung der Ohrtube sehr wahrscheinlich. Ähnlich verhält es sich mit allen Nasennebenhöhlen, die unter ungünstigen Umständen eine Blockierung eingeschlossener Luft bei Erkältungen aufweisen können. Benutzen Sie also nie zum Tauchen ein Nasenspray und verzichten Sie bei Erkältungen lieber für ein paar Tage auf das Tauchen. Inhalieren von wasserdampfgesättigter Luft mit abschwellenden Mitteln sorgt für gewöhnlich für eine schnelle Heilung. Im Übrigen gibt es 3 Methoden um die Eustachische Röhre für den Druckausgleich zu öffnen. Über Wasser reicht für gewöhnlich das regelmäßig durchgeführte Schlucken von Speichel bzw. das Vorschieben des Unterkiefers. Durch die Muskelbewegungen wird die Tube automatisch geöffnet. Sehr glücklichen Menschen reicht diese Schluckbewegung auch beim Abtauchen um einen Druckausgleich im Mittelohr durchzuführen. Für gewöhnlich erschwert der schnell gestiegene Umgebungsdruck das Öffnen der Röhre aber so sehr, dass zu anderen Hilfsmittel gegriffen werden muss. Der Durchschnittstaucher bedient sich der sog. Valsava-Methode und hält sich mit den Fingern ie Nase zu. Beim Versuch gegen die geschlossene Nase auszuatmen, erhöht sich der Druck im Nasen-Rachen-Raum und bewirkt die Öffnung der Eustachischen Röhre. Dabei ist darauf zu achten, dass nicht zu stark und abrupt gegen die Nase ausgeatmet wird, da es sonst zur Verletzung des Innenohrs, des Trommelfells oder der Gehörknöchel kommen kann. Die dritte, etwas schwerer zu erlernende Methode des Druckausgleichs im Mittelohr ermöglicht eine längere Öffnung der Eustachischen Röhre und somit einen schnellen Abstieg in größere Tiefen ohne Zuhilfenahme der Hände. Hierbei lernt der Taucher die Muskeln, die die Tube öffnen willkürlich zu betätigen. Zum Erlernen der Technik muss man zunächst das Gefühl der Öffnung der Tube und des Druckausgleichs kennen, wie man es z.B. beim Valsava-Manöver spürt. Nun soll man versuchen, ohne Überdruck im Nasen-Rachen-Raum oder der Lunge die Öffnung der Tube einen Moment beizubehalten. Der Anfang wird erleichtert, wenn man die Stellung des Zungenbeins kontrolliert. Oberhalb des Kehlkopfes lässt sich ein spangenförmiger Knochen, das Zungenbein, tasten. Drückt man nun die Zungenspitze gegen die obere Zahnreihe, am besten mit nach hinten gehaltenem Kopf, tritt das ´ Zungenbein nach unten. Gleichzeitig öffnen sich fühlbar die Tuben. Der Erfolg lässt sich kontrollieren, indem man einen Laut, z.B. "äh" ausstößt, der dann in Resonanz im ganzen Kopf gehört wird (vgl. O.F. EHM: Tauchen noch sicherer, S. 220, 1996 Cham).

Vereinfacht wird der Druckausgleich beim Abtauchen übrigens auch durch ein Abtauchen mit den Beinen voran. Wer kopfüber in die Tiefe sinkt, dessen Blut verlagert sich in die Kopfregion. Ein Anschwellen der Schleimhäute in diesem Bereich, also auch in der Ohrtube, ist die Folge. Dadurch wird der Druckausgleich im Mittelohr erschwert.

Keinen Einfluss können wir auf bei Zahnversorgungen entstehende Lufteinschlüsse am Zahn ausüben. Beim Abtauchen kann sich in solchen Hohlräumen Flüssigkeit zum Ausgleich des sinkenden Gasvolumens ansammeln. Beim Auftauchen reicht dann der Raum für die sich wieder ausdehnende Luft nicht mehr aus, da nun Flüssigkeit diesen Platz ausfüllt. Entsprechend erhöht sich der Innendruck, wodurch Teile des Zahn weggesprengt oder ein schmerzhafter Druck auf den Zahnnerv ausgeübt werden kann. Weisen Sie daher bei jeder Behandlung Ihren Zahnarzt darauf hin, dass Sie Taucher sind und dass Füllungen unbedingt randdichtend und hohlraumfüllend durchgeführt werden müssen.

Etwas mehr Einfluss haben wir auf die Gasmenge im Magen-Darm-Bereich. Stark blähende Speisen, wie z.B. Bohnen, Zwiebeln oder Kohl, sollten vor dem Tauchen vermieden werden. Die sich bildenden Gase können durch die Druckunterschiede beim Tauchen zwar nur selten ernsthafte Schädigungen bewirken, aber beim Auftauchen doch recht schmerzhaft sein. Gestalten Sie die Auftauchphase in einem solchen Fall etwas länger.


Taucherkrankheiten


   Ohrenschmerzen

Zu den wohl häufigsten Leiden unter Tauchern zählen die Ohrenschmerzen. Neben einer Trommelfellreizung durch zu späten Druckausgleich kommt es oft zu einer Entzündung des äußeren Gehörganges durch Bakterien und Pilze. Der an Küsten vorherschende Wind oder der Fahrtwind während der Bootsfahrt tut sein übriges. Einen guten Schutz gegen solche Einwirkungen bietet grundsätzlich der Ohrenschmalz. Man sollte also von einer Entfernung durch Ohrwattestäbchen absehen. Leider wird durch das Tauchen während eines Urlaubes der Ohrenschmalz nach und nach auf natürliche Weise ausgewaschen. Empfehlenswert ist es, die Ohren nach jedem Tauchgang durch destilliertes Wasser noch auf dem Boot auszuspülen und ein Stirnband auch in den Tropen zu tragen. Vom Apotheker kann man sich folgende Essig-Ohrentropfen zubereiten lassen und diese prophylaktisch nach dem Tauchen in die Ohren träufeln: - Eisessig 2,5 - Aqua dest. 5,0 - Isopropylalkohol ad 50,0
Der hohe Alkoholanteil wirkt dabei keimtötend. Kommt es dennoch zu einer Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa) sind die Dexa-Polyspectran-Ohrentropfen der Firma Alcon zu empfehlen. Ihnen fehlt das die Gehörgangshaut reizende Lokalanästetikum Lidocain einiger anderer Präparate. Gegen die Ohrenschmerzen nimmt man hier besser eine gewöhnliches Schmerzmittel. Ist es aufgrund falschen Druckausgleichs oder anderer Gründe zu einem Trommelfellriss gekommen, sollte keines der genannten Präparate ohne ärztlichen Rat weiter in das Ohr geträufelt werden.

   Seekrankheit

Taucht man nicht gerade auf Bonaire oder in einige Regionen des Sinais sind Bootsausflüge für Taucher an der Tagesordnung. Schwer hat es da wer das Bootsschlingern bei Wind und Welle nicht so gut verträgt und schnell seekrank wird. Über die Möglichkeiten zur Vermeidung der Seekrankheit ranken sich neben bewiesenen Fakten auch einige Theorien. Am erfolgversprechendsten ist natürlich der Verzicht auf eine Bootsfahrt bei bewegter See. Das fällt besonders leicht, wenn man sich bei der Reisezielwahl für ein Tauchcenter mit gutem Hausriff entschieden hat. Hat man sich dann doch für die Bootsfahrt entschieden kann folgendes Verhalten hilfreich sein:
  • Meiden Sie Schiffsinnenräume und halten sich vorzugsweise draußen auf
  • Fixieren Sie den Horizont, da sich dieser weniger bewegt als Gegenstände und Personen auf dem Boot.
  • Genußmittel wie Kaffee, Alkohol und Zigaretten sind zu vermeiden
  • Küchendünste und besonders der Geruch von Diesel sind zu vermeiden
  • Halten sie sich nicht in den oberen Etagen und im vorderen Schiffsbereich auf, da dort die Schiffsbewegungen ausgeprägter sind
  • Vermeiden sie Gespräche über die Seekrankheit
Neben diesen allgemeinen Empfehlungen gibt es noch diverse Medikamente zur Einnahme gegen Seekrankheit. Fast alle haben sie Müdigkeit, Schwindel oder erhöhte Unruhe als Nebenwirkung. Dies ist u.a. auf ihre Wirksamkeit im Zentralen Nervensystem zurückzuführen. Darüberhinaus muss mit weiteren durch das Tauchen verursachte oder verstärkte Nebenwirkungen gerechnet werden. So sind z.B. bei den bekannten Pflastern gegen Seekrankheit wiederholt unerwünschte Nebenwirkungen durch das Tauchen beobachtet worden.
Aus der Homöopahie-Küche wird oft Ingwer empfohlen (Dosis soll zwischen 0,5 und 1 Gramm liegen). Bei mir hat Ingwer leider keine Wirkung gezeigt. Oftmals wird auch Cocculus empfohlen, wobei auch hier die Wirksamkeit wissenschaftlich bisher nicht bewiesen wurde. Ausprobieren müssen sie selbst. Ich selbst habe mit dem in Österreich erhältlichen Präparat Echnatol sehr gute Erfahrungen gemacht, da es bei mir wirksam gegen Seekrankheit bei nicht allzu garstiger See ist und kaum bis keine Müdigkeitserscheinungen auftreten. Als neuester Wirkstoff gegen Seekrankheit hat sich Cinnerazin einen Namen gemacht. Nebenwirkungen wie Müdigkeit sollen nur in geringem Ausmaß auftreten.

   Sehstörungen

Für einen sicheren und erlebnisreichen Tauchgang ist das Sehen unter Wasser essentiell. Taucher mit Augenfehlern haben das Problem, dass sie ihre Sehschwäche auch unter Wasser korrigieren möchten/sollten. Dabei ist es nicht möglich, eine Brille unter der Tauchermaske zu tragen. Einfachste Abhilfe schafft das Tragen von Kontaktlinsen. Es gibt grob aufgeteilt zwei Typen von Kontaktlinsen, die beide Vor- oder Nachteile haben.
Für das Tauchen am besten geeignet sind die weichen bzw. flexiblen Kontaktlinsen. Sie kommen heutzutage auch über Wasser am häufigsten zum Einsatz. Weiche Kontaktlinsen sind aus sehr dünnem, weichem Kunststoff material hergestellt, welche Flüssigkeit und Sauerstoff wie durch eine Membran hindurch lässt. Insgesamt sind sie recht groß und decken die gesamte Hornhaut ab bzw. reichen auch noch unter das Ober- und Unterlid. Somit ist eine gute Haftung gewährleistet und selbst bei einem Wassereintritt in die Maske bleibt die Kontaktlinse oft im Auge. Trotzdem bergen Übungen wie das Maskenfluten und Ausblasen die Gefahr eines Kontaktlinsenverlustes. Bei der Anpassung können allerdings einige Besonderheiten angewandt werden für den Einsatz im und unter Wasser. Die Linsen können größer im Durchmesser gewählt werden. Dadurch ergibt sich mehr Halt durch das Ober und Unterlid, weil größere Teile der Kontaktlinse am Auge festhalten. Des Weiteren können die Kontaktlinsen fester auf das Auge angepasst werden, wodurch die Kontaktlinsenbeweglichkeit reduziert und die Adhäsionskraft erhöht wird. Solche Linsen sollten aber dann nicht als Dauertragelinsen verwendet werden. Die Tragzeit sollte sich auf einige Stunden am Tag begrenzen.
Sofern die vorhandene Fehlsichtigkeit mit den heutzutage angebotenen weichen Tages- und Monatslinsen ausgeglichen werden kann, bietet sich besonders deren Verwendung an. Denn bei einem Verlust unter Wasser wird nicht gleich die Urlaubskasse gesprengt.
Die meisten Fehlsichtigkeiten können mit weichen Kontaktlinsen befriedigend ausgeglichen werden. Eine weitere Kontaktlinsenart, die allerdings in letzter Zeit nicht mehr so häufig angepasst wird, ist die so genannte harte Kontaktlinse. Diese besteht ebenfalls aus Kunststoff, ist aber hart wie Plexiglas. Diese Linsen müssen klein sein und dürfen normalerweise nur Teile der Hornhaut bedecken.
Eine gute Beweglichkeit ist ebenfalls wichtig, damit Tränenflüssigkeit und Sauerstoff unter die Kontaktlinsen gelangen können. Aufgrund der geringeren Größe und der guten Beweglichkeit, fallen sie leichter aus dem Auge und unter Wasser muss mit sofortigem Verlust gerechnet werden. Ein weiteres Problem kann mit dieser Linsenart beim Tauchen auftreten. Gelegentlich bilden sich Luftblasen unter der Kontaktlinse, die durch zunehmenden Aussendruck in der Tiefe schrumpfen und dadurch zum Festsaugen der Kontaktlinse mit nachfolgenden Hornhauttrübungen führen. Die Probleme sind zwar zeitlich begrenzt, können aber sehr lästig sein und evtl. ein späteres Tauchen am gleichen oder nächsten Tag verhindern. Eine Alternative zum Tragen von Kontaktlinsen bietet die Ausstattung der Taucherbrille mit Gläsern, welche die Sehschwäche ausgleichen. Allerdings müssen Sie dann ggf. die Taucherbrille auch schon aufsetzen, wenn Sie sich zur Einstiegsstelle begeben. Oftmals beschlägt die Brille dann über Wasser und Sie können nur noch schlecht sehen.
Leider sind maßgeschneiderte Tauchermasken oftmals sehr teurer. Einige Tauchermaskenanbieter haben aber Modelle im Sortiment, für welche man in 0,5 Dioptrien-Abständen (+/-) entsprechende Gläser dazukaufen kann. Fachoptiker unterstellen allerdings, dass dies keine adäquate Lösung sei. Aufgrund des Auge-Glas-Abstandes können wohl neue Fehlsichtigkeiten wie bspw. Doppelsehen auftreten oder Kopfschmerzen, Schwindel bzw. Übelkeit verursacht werden. Ein solches Zentrierungsproblem tritt i.d.R. aber erst bei höheren Dioptrienwerten auf. Wer da unsicher ist wendet sich besser an einen Spezialisten und lässt die Maskenverglasung ggf. dort durchführen. Möglich ist das mit allen Masken, bei denen man das Originalglas vom Maskenkörper entfernen kann. Dabei ist egal ob es Einglas- oder Zweiglasmasken sind. Allerdings haben manche Gläser einen aufgeschweißten Plastikrand. Dann gehtes leider nicht. Selbst Brillen mit mehr als 2 Gläsern, wie zum Beispiel die Mares Esa, sind kein Problem. Es werden nur die gewünschten Gläser korrigiert - die Seitlichen meist nicht. Möchten Sie Ihre Brille ausschließlich unter Wasser verwenden, könnte man die Stärke noch an das Medium Wasser anpassen. Ob abgeschwächt oder verstärkt wird, hängt von der Art Ihrer Fehlsichtigkeit ab.


Tauchunfälle

   Dekompressionsunfall

Der Klassiker unter den Taucherkrankheiten ist die Caisson-Krankheit, auch Dekompressionsunfall genannt. Ursache ist eine Anhäufung von sog. Inertgasen im Körper während des Tauchganges. Diese Gase, zu denen auch der Stickstoff der Atemluft zählt werden im Körper nicht verbraucht und reichern sich deshalb während des Tauchgangs im Taucher an. Dabei wird umso mehr Gas gebunden, je tiefer, länger und kälter der Tauchgang ist. Wiederholungstauchgänge erhöhen das Risiko aufgrund einer bestehenden Vorsättigung des Körpers mit Stickstoff.
Beim Auftauchen werden die im Gewebe gebundenen Inertgase wieder frei und müssen über die Blutbahn und den Lungen abgeatmet werden. Wird zu schnell aufgetaucht, bilden sich Gasblasen in den verschiedenen Geweben und verursachen die für den Dekompressionsunfall typischen Symptome.
Obwohl es ein paar gängige Symptome gibt, kommt es regelmäßig zu Fehleinschätzungen bei der Entscheidung ob es sich um einen Dekounfall handelt oder nicht. Oftmals wollen sich Taucher und auch Tauchlehrer nicht eingestehen, dass sie oder ihre Kundschaft einen Dekounfall haben. Ein zu großes Vertrauen in die Technik heutiger Tauchcomputer tut sein übriges. Erschwerend kommt hinzu, dass es keine allgemein gültige Reihenfolge beim Auftreten der Symptome zu geben scheint und dass ein solcher Unfall durch eine vielfältige Symptomatik in vielen verschiedenen Erscheinungsformen auftreten kann. Es empfiehlt sich daher bei allen gesundheitlichen Besonderheiten nach einem Tauchgang (auch noch nach 24h) solange von einem Dekounfall auszugehen bis das Gegenteil bewiesen ist. Die Sauerstoffgabe ist in jedem Fall anzuraten, da auf diese Weise die Behandlung immer richtig eingeleitet wird und da keine negativen Nebenwirkungen bekannt sind. Der Sauerstoff bewirkt, dass der Stickstoff deutlich schneller abgeatmet werden kann. Evtl. Blasen im Körper werden demnach bald in Größe und Anzahl reduziert. Die Stickstoffblasen im Körper können je nach Ort des Auftretens zwei unterschiedliche Krankheitsbilder mit verschiedenen Symptomen bewirken:
Klassischer Dekompressionsunfall durch Stickstoffübersättigung
Tritt Minuten bis Stunden nach dem Tauchgang auf. Selten bis 48 h danach.

Hautsymptome
  • Juckreiz
  • punktförmige Rötung
  • Schwellung
  • Marmorierung der Haut


  • Muskel-/Gelenkschmerzen
  • große und mittelgroße Gelenke
  • Muskulatur
  • selten Hand-/Fußgelenke

  • Hinweis: Muskel- und Gelenkschmerzen schon während des Auftauchens sind Warnzeichen für einen schweren Verlauf!

    Nervensystem
  • Schwindel, Erbrechen
  • Empfindungsstörungen, Muskelschwäche, Lähmungen, Querschnittslähmung
  • Blasen-/Mastdarmschwäche
  • gestörte Muskelkoordination
  • Hör-/Seh-/Sprachstörungen
  • Lymphsystem
  • geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten (selten)


  • Sonstiges
  • extreme Müdigkeit, Apathie
  • akute Atemnot mit Brustschmerz, Husten, Erstickungsgefühl


  • Arterielle Gasembolie
    Gasblasen verstopfen Hirnarterien, tritt Minuten nach dem Tauchgang oder schon während des Auftauchens auf.
  • Benommenheit, Schwindel
  • Verwirrtheit, Desorientierung
  • Sprach-/Sehstörungen
  • Nervenausfälle unterschiedlicher Ausprägung
        (leichte Sensibilitätsstörung bis zur kompletten Lähmung und Bewusstlosigkeit)
  • Bei Mitbeteiligung des Atemzentrums: Blutdruckabfall, Atemstörungen, Herzstillstand
  • Pupillenasymmetrie möglich (einseitig weite Pupille)


  • Ein Kurzschluss zwischen der rechten und der linken Herzhälfte (offenes Foramen ovale) kann zu einem Dekompressionsunfall auch bei einem äußerst konservativen Tauchgang führen. Im Mutterleib ist für das Ungeborene ein solcher Kurzschluss lebenswichtig, da der Lungenkreislauf im Embryo nicht aktiv ist. Das Blut nimmt also absichtlich die Abkürzung zwischen den beiden Herzhälften.
    Bei etwa 25% der Weltbevölkerung schließt sich das Foramen ovale aber nach der Geburt nicht. Hat man dann unter Wasser z.B. einen Hustenanfall, kann durch den erhöhten Druck im Brustkorb über den Kurzschluss Blut mit Stickstoffblasen in den arteriellen Blutkreislauf gelangen und dort zu gefährlichen Gefäßverstopfungen (Embolien) führen. Eine Reihenuntersuchung auf ein offenes Foramen ovale ist allerdings zu kostenaufwendig.
    Auch durch die sog. Dehydration (Entwässerung) kann trotz konservativem Tauchen ein Dekounfall auftreten. Beim Tauchen verliert der Körper viel Wasser. Einmal gibt er beim Atmen viel Feuchtigkeit an die sehr trockene Atemluft aus der Taucherflasche ab, zum anderen bewirkt der erhöhte Umgebungsdruck ein häufigeres Wasserlassen. Hohe Aussentemperaturen, wie sie bei Tauchurlauben in den Tropen oftmals auftreten sorgen für weiteren Wasserverlust. Noch schlimmer wird es durch Erbrechen bei Übelkeit. Nimmt durch die Dehydration das Flüssigkeitsvolumen im Körper ab, sinkt auch die Viskosität des Blutes. Das Blut wird also dicker und damit empfindlicher gegenüber durch Stickstoffblasen verursachte Verstopfungen. Außerdem kann es aufgrund seines verringerten Volumens weniger Stickstoff zu den Lungen transportieren. Entsprechend vergrößert sich die Gefahr einer Dekompressionserkrankung. Trinken Sie deshalb vor und nach dem Tauchen viel. Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol haben allerdings einen zusätzlichen dehydrierenden Effekt, da sie aufgrund ihrer Inhaltsstoffe das Wasserlassen ankurbeln. Klares Wasser ist zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes am besten geeignet. Trinken Sie davon in wärmeren Regionen gut und gerne 3 Liter pro Tag.

       Lungenüberdruckbarotrauma

    Die zweite typische Taucherkrankheit ist das Lungenüberdruckbarotrauma. Diese Erkrankung tritt ausschließlich beim Auftauchen auf. Die sich beim Aufstieg in der Lunge ausdehnende Luft kann nicht entweichen und verursacht letztendlich einen Lungenriss. Für gewöhnlich tritt dieser Unfall nur in einer Paniksituation auf, wenn der betroffene Taucher aus Furcht schnell an die Oberfläche schwimmt und dabei das Ausatmen vergisst bzw. aufgrund eines Stimmritzenkrampfes nicht ausatmen kann. Bei einem zentral liegenden Lungenriss kann es aufgrund des direkten Kontakts zwischen Luft und Blutbahn zur Luftembolie im Zentralnervensystem kommen. Liegt der Riss eher am Lungenrand kann Luft in den Pleuralspalt zwischen Lungen- und Brustfell gelangen. Dadurch werden die Adhäsionskräfte zwischen den beiden Fellen aufgehoben und der betroffene Lungenflügel sackt in sich zusammen (Pneumothorax).
    Ist der Pleuraspalt nicht betroffen, sondern der Mittelfellraum (Mediastinum), wandert Luft aus der Lunge außen entlang der Luftröhre zum Hals. Knisternde Luftansammlungen sind dann dort fühlbar (Blähhals = Hautemphysem).



    Behandlung von Verletzungen

       Behandlung von Nesselwunden

    Nach dem Verlassen des Wassers sofort die betroffene Stelle ab-trocknen und Reste des Nesseltieres vorsichtig entfernen, ohne dass sich weitere Nesselzellen entladen. Zur Neutralisation der Nesselzellen kann der Bereich mit Alkohol, Formalin, Salmiakgeist oder Seifenlauge beträufelt werden. Die weitere Behandlung kann mit Corticoiden und Anästhesinsalbe erfolgen.

    Die giftigste Quallenart ist die in Australien im Winter an der Nordostküste auftretende Seewespe. Sie gehört in die Familie der Würfelquallen und kann tödlich sein. Quallenreste am Körper sind sofort mit Haushalts-Weinessig bzw. 5%iger Essigsäure zu inaktivieren.
    S. auch Bericht in der Rubrik Tauchreisen/Australien/Great Barrier Reef.

       Behandlung von Stich- und Bisswunden

    Sämtliche Stich- und Bissgifte bestehen aus einem Cocktail an Eiweißsubstanzen. Da Eiweiße bei Temperaturen von über 50°C zerstört werden, sind all diese Gifte hitzeempfindlich. Bei der Soforthilfe sollten daher heiße Kompressen von 50-70°C um die betroffene Stelle gelegt werden oder die betroffene Gliedmaße in entsprechend heißes Wasser gebadet werden. Auch ein Ausbluten kann die Verbreitung des Giftes reduzieren. Schneiden Sie hierfür die Wunde kreuzweise auf. Ein Absaugen darf nur mit Hilfsmitteln (z.B. einem Schnorchel) durchgeführt werden, da sonst die Gefahr der Vergiftung des Helfers besteht. Weiterhin empfiehlt sich die Hochlagerung der betroffenen Gliedmaße. Dies verringert deren Durchblutung und damit die weitere Verbreitung des Giftes.